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06.07.2011: Information

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

der Sprecherrat unserer BI hat das durch die DFS auf dem Tisch gelegte Flugroutenkonzept gleich am Montagabend nach der FLK- Sitzung aus Sicht der Stahnsdorfer Bürger analysiert und sich eine erste Meinung gebildet. Über die Ergebnisse der Sitzung wollen wir Sie, unsere Aktiven, mit dieser Email informieren.

Alle Abflüge in westliche Richtung werden vom Grundsatz her auf einer gemeinsamen Route bis auf Höhe Ludwigsfelde geführt.

Dort knicken die Flugzeuge, die im Westen gelegene Zielflughäfen haben, nach Südwesten ab und werden unterhalb von Michendorf entlang geführt. Auf Basis des prognostizierten Verkehrsaufkommens 2012 handelt es sich um ca. 130 Maschinen / Tag. Stahnsdorf ist selbst mit seinen südlichen Gemeindeteilen von dieser Route nicht betroffen.

Relevant für Stahnsdorf sind diejenigen Flüge, deren Zieldestinationen im Norden, Nordosten und Osten liegen. Bezogen auf das prognostizierte Verkehrsaufkommen 2012 handelt es sich dabei um ca. 51 Jets und 2 Propellermaschinen / Tag. Entgegen dem Votum der Fluglärmkommission ist die DFS für diese Flüge nicht von der NOOST-Route abgewichen. Die NOOST-Route verschwenkt von Höhe Ludwigsfelde unmittelbar nach Nordosten und wird direkt über den S- Bahnhof Wannsee geführt. Damit überquert sie das gesamte Gemeindegebiet von Stahnsdorf sowie den westlichen Teil von Kleinmachnow.

Eine Flugroute als solche ist jedoch i.d.R. nur in zwei Fällen bindend. Der Pilot muss der vorgegebenen Route folgen, bis er von Tower die Freigabe erhält. In Deutschland erfolgt die Freigabe in der Regel in einer Höhe von 1.500 Fuss. Zweiter Fall: Zwischen dem Fluglotsen und dem Piloten besteht kein Funkkontakt. Ausschlaggebend ist damit die Frage, was im normalen Flugbetrieb passiert.

Für die NOOST- Route hat die DFS die Möglichkeit der Freigabe in Höhe von 5.000 Fuss (ca. 1.500 m) festgelegt. Diese Schwelle hat zwei Konsequenzen: Diejenigen Flugzeuge in Richtung Osten, die diese Schwelle auf Höhe Ludwigsfelde nicht erreichen, müssen über die Vorzugsvariante 8 und damit über das BAB-Kreuz Werder fliegen. Dies werden rund drei Jets / Tag im Jahre 2012 sein. Für alle anderen Jets und für die Propellermaschinen gilt folgendes: In dem Moment, in dem diese Maschinen die 5.000-Fuss-Schwelle erreichen, erhalten die Piloten in der Regel eine Freigabe durch den Lotsen und können sodann direkt auf ihre Zieldestination einschwenken - ohne die Flugroute selbst weiter beachten zu müssen. Für die Frage, wer wie oft in dem Gebiet zwischen der Startbahn im Osten und Stahnsdorf im Westen überflogen wird ist damit einzig und allein die 5.000-Fuss-Schwelle maßgebend. Das Erreichen dieser Schwelle hängt flugtechnisch im wesentlichen von den Faktoren Steigwinkel, Steiggeschwindigkeit und der Frage ab, ob auf dem vorderen oder hinteren Teil der Startbahn abgehoben wird. Da sich Stahnsdorf im äußersten Westen befindet, spricht viel dafür, dass etliche Jets vorher abdrehen. Wir rechnen damit, dass Stahnsdorf im Jahr 2012 von ca. 25 Überflügen am Tag betroffen sein wird. Allerdings könnten unsere Mitstreiter aus Teltow und Lichterfelde massiv betroffen sein. Ihnen gilt weiterhin unsere volle Unterstützung, um auch in diesem Bereich weitere Entlastungen herbeizuführen.

Nach unserer Auffassung ist Stahnsdorf von den Anflügen nur am Rande betroffen. Die vorgesehenen Radarführungsstrecken führen über den Osten von Potsdam südlich an Potsdam vorbei auf Ludwigsfelde zu. Die Radarführungsstrecken gelten aber nur für Zeiten maximaler Kapazitätsauslastung. Im normalen Flugbetrieb werden die Flugzeuge in direkter Linie aus dem Nordwesten Berlins (Westlich von Oranienburg) auf Ludwigsfelde zusteuern. Diese direkte Linie verläuft zwar deutlich westlich von Stahnsdorf, gleichwohl können wir einen gewissen Fluglärm aus heutiger Sicht nicht ausschließen.

Die Mitglieder des Sprecherrates haben folgende erste Bewertung vorgenommen:

Nicht zu akzeptieren ist, dass die DFS die mit überwältigender Mehrheit in der FLK beschlossene Vorzugsvariante 8, nämlich das weiträumige Umfliegen der Region und Potsdam durch alle Flugzeuge nicht umgesetzt hat und damit noch immer Zehntausende von Brandenburger und Berliner Bürgern unnötig und vermeidbar einer andauernden und zunehmenden gesundheitsschädigenden Verlärmung ausgesetzt werden. Sicherheitstechnisch problematisch ist zudem, dass die NOOST-Route ausgerechnet für Notfälle gelten soll, bei denen kein Funkkontakt zwischen Pilot und Tower mehr besteht. Damit werden Flugzeuge in kritischem Zustand direkt zum Forschungsreaktor am Wannsee geführt. In keinster Weise hinnehmbar ist, dass diese Flugroute nur deshalb so geplant ist, weil die DFS aufgrund der Vorgaben der Betreiber neben der HUB-Funktion schon heute von der Maximalkapazität von 360.000 Flugbewegungen / Jahr ausgehen musste, die frühestens in 10 bis 15 Jahren erwartet werden.

Zu begrüßen ist, dass die Routen vom 6. September 2010 und der damit einhergehende direkte Überflug Stahnsdorf von bis zu 250 Flugzeugen am Tag endgültig vom Tisch sind. Positiv ist zudem, dass die lauten, schweren und tief fliegenden Maschinen nicht über Stahnsdorf fliegen dürfen. Das Wichtigste aber ist, dass die NOOST-Route nicht als verbindlich erklärt wurde. Dies hätte nämlich zur Folge gehabt, dass wir Stahnsdorfer ab 2012 täglich von rund 50 Flugzeugen am Tag direkt überflogen worden wären. Diese Zahl hätte sich nach den derzeitigen Prognosen der Flughafenplaner bis zum Jahr 2030 auf ca. 120 Flugzeuge / Tag erhöht. Zu begrüßen ist auch, dass der Bundesverkehrsminister die Routenführung nach einem halben Betriebsjahr auf ihre Tauglichkeit überprüfen lassen will.

Wie geht es nun weiter? Die DFS hat ihr Konzept zwischenzeitlich dem Bundesaufsichtsamt (BAF) für Flugsicherung übermittelt. Dieses wird die Vorschläge anhand diverser Kriterien prüfen, sie gegebenenfalls übernehmen, abändern oder verwerfen. Insbesondere wird das BAF genau die Begründungen der DFS prüfen, warum diese in verschiedenen Punkten von den Empfehlungen der Fluglärmkommission abgewichen ist. Der Behördenleiter Prof. Herrmann hat den Mitgliedern der Fluglärmkommission eine erste Information einhergehend mit einem Gedankenaustausch für Ende September versprochen. Zur nächsten offiziellen Sitzung tritt die FLK am 26. September zusammen. Die Prüfung des BAF wird im Benehmen mit dem Umweltbundesamt (UBA) durchgeführt. Das bedeutet, dass das UBA eine Stellungsnahme abgibt, diese aber nicht vom BAF nicht berücksichtigt werden muss. Spätestens Mitte Januar wird das BAF seine Entscheidung sodann bekannt geben.

In den nächsten Wochen und Monaten wird die Flugroutendiskussion sicher weniger als bisher in den Medien abgebildet werden. Auch unsere Arbeit als Vertreter Ihrer Interessen wird sich dem anpassen müssen. Neben Wachsamkeit und genauer Beobachtung der aktuellen Entwicklungen steht mehr denn je an erster Stelle, die nun und schlussendlich entscheidenden Behörden von unseren Argumenten zu überzeugen und mit harter Detailarbeit sozusagen im Feintuning Alternativen und / oder Verbesserungen zu den Vorschlägen der DFS zu präsentieren. U.a. gehört dazu, dass das Kapitel „Außen rum statt oben drüber“ noch nicht beendet ist.

Das jedoch ist nur die eine Seite des Erfolges. Die andere Seite sind Sie, liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Selbstverständlich müssen wir auch in der Öffentlichkeit nach wie vor unermüdlich für unsere Positionen (Stichworte: Nachtflugverbot und Volksinitiative) kämpfen. Wir, die Bürgerinitiativen, dürfen weder außerhalb des Blickfeldes der Politik noch – und das ist vielleicht noch wichtiger – aus dem Blickfeld unserer Mitbürger geraten. Auch wenn wir mit dem jetzt erreichten Ergebnis nicht vollständig zufrieden sein können und auf Nachbesserungen dringen müssen, brauchen wir uns jedoch gemessen an der Ausgangslage im September des vergangenen Jahres nicht verstecken. Ganz im Gegenteil: Wir haben uns gegen einen zunächst übermächtig erscheinenden Gegner erfolgreich behauptet. In der nun beendeten ersten Halbzeit ist dies alles nur gelungen, weil wir durch Ihr Engagement beständig in der Öffentlichkeit präsent waren und somit öffentlichen Druck erzeugt haben: auf Demonstrationen, bei Unterschriftensammlungen, beim Plakatieren, beim Austragen von Flyern, im Fluglärminformationscenter, beim Schreiben von Leserbriefen, in öffentlichen und privaten Diskussionen, mit Bannern und Aufklebern. Für Ihren unermüdlichen, teilweise bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit gehenden Einsatz zum Wohle der Stahnsdorfer Bürger und der Region TKS bedanken wir uns bei ihnen sehr. Wir freuen uns auch, Ihnen auch den herzlichen Dank unseres Bürgermeisters Herrn Albers übermitteln zu dürfen. Eindringlich appellieren wir an Sie alle, in Ihrem Engagement in der spätestens nach den Sommerferien beginnenden zweiten Halbzeit nicht nachzulassen sondern es mit unverminderter Kraft fortzuführen. Die BI lebt davon!! Kommen Sie mit Familie, Freunden und Bekannten zu den anstehenden Demonstrationen, sammeln Sie Unterschriften für das Volksbegehren, zeigen Sie Flagge mit Bannern und Aufklebern, werben Sie ständig und überall für unser Anliegen! Positionen mit Rückhalt der Öffentlichkeit lassen sich viel wirkungsvoller platzieren als ohne Bürgerunterstützung. Und eines vergessen wir nicht: Wir alle sind nicht nach Stahnsdorf gezogen, um nur ein bisschen Fluglärm zu haben, sondern wir sind hierhin gezogen, um keinen Fluglärm zu haben.

Mit den besten Wünschen für eine erholsame Sommerpause und der Erwartung eines Wiedersehens in alter Frische grüßen wir Sie alle herzlich


Für den Sprecherrat

Wolfgang Brenneis Christine Dunkel Klaus Eichkorn Matthias Piaszinski
6.7.2011



P.S.: Die Präsentation der DFS finden Sie unter diesem Link:
http://www.dfs.de/dfs/internet_2008/module/presse/deutsch/presse/presseinformation/2011/dfs_praesentiert_flugrouten_fuer_bbi_4_7/index.html



Ein Exemplar einer Unterschriftenliste für das Volksbegehren ist beigefügt.